GÄSTE

Die Hupe als Gastwirtschaft – die Mitreisenden und ihre Beiträge.

C H R I S T O F  G R U M P E L T
(vom 1. Juli, 6.–7. August und 30. September – 1. Oktober )

Warum eigentlich?
und Brandenburg
und die Lektion #1

Ist Design nicht eigentlich Verführung? Dient Design nicht dazu den Leuten Entscheidungshilfen an die Hand zu konstruieren?
Wir gestalten Plakate so, das wir ein ganz bestimmtes Publikum zu unserer Veranstaltung damit anziehen, und gleichzeitig bewusst »die anderen» ausschliessen. Gibt es mehrere Anbieter eines Produktes, versuchen wir Alleinstellungsmerkmale mit Hilfe von Form, Farbe und knalligen Texten herauszuarbeiten.
Braucht denn dann ein Bäcker oder ein Friseur oder ein Tante-Emma-Laden irgendwo in der Pampa überhaupt ein besonderes Schild? Man weiss halt das es bei »cut for cut it’s perfect« Strähnchen gibt, und man dem Kaffee, der ausgeschenkt wird, noch schmeichelt, wenn man nur behauptet, er sei etwas »zu dünn« geraten. Dieser Laden ist der einzige, der überhaupt so etwas anbietet. Wozu braucht man also einen Grafiker?

Zempow ist ein Dorf am Rande
Es liegt am nördlichen Rande Brandenburgs, am Rande des Größten Europäischen Militärübungsgebietes, am unteren Rand der Bodenqualitätsskala, und ist im Grunde eine Dorfstrasse an deren Rand Häuser stehen.
Das Dorf scheint sich sozialpolitisch in mehrere Gruppen zu splitten. Beispielhaft hierfür sind am westlichen Rand die Bioranch und deren Betreiber/Bewohner, am östlichen Rand das erste ostdeutsche Autokino und mitten drin, die zugezogenen Berliner.
Insgesamt könnte die Geschichte mit Evelyn, der Bio-Ranch und dem Autokino sehr exemplarisch für einige Erscheinungen und Evas Hupe-Feldzug im Dienste des Grafikdesigns in Brandenburg stehen:
Die Familie S. kommt aus der Stadt. Sie wollen mit ihren Kindern ein schönes Leben auf dem Land. Selbstverständlich gehört zu dem Landleben das Produzieren von Marmelade aus eigenen Öko-Anbau. Der Wunsch die eigenen Produkte auch zu vermarkten ist naheliegend. Die Familie S. hat neben ihrem sehr gemütlichen Haus ein kleines neues Häusle errichtet, in dem ein Laden-Café eingerichtet werden soll. Ein StartUp unternehmen wie es im Buche steht, das einen guten Namen braucht und eine gute Kommunikation. Aber eine gute Kommunikation für wen? Ich hätte womöglich gesagt das Zempow einen See braucht, ein Schloss, ein Grand Hotel. Goethe hätte seinen Faust sagen lassen müssen: »Zempow, hier will ich verweilen, denn du bist so schön«. Heerscharen von Touristen könnte man bewerben, die besten hausgemachten Speisen, aus dem besten was die Natur zu bieten hat, zubereitet mit liebe und Sorgfalt zur Vollkommenheit vollendet. Man würde CIs entwerfen in denen Leute Uniformen tragen müssen die dem Preussischen Reich entlehnt sind. Der Feinkostladen von Evelyn würde Wachstumsraten verzeichnen können die wenn alles glatt geht in einem 5 Jahresplan, die Ausrufung eines Feinkostimperiums möglich machten, und »einLADEN zum Café« zu einem Markenzeichen das für Qualität und höchste Ansprüche steht. Dank aggressiver Marktstrategie wäre ein Börsengang nach 7 Jahren denkbar. Es würde to go Cafébecher geben mit der Aufschrift: New York, Berlin, Stockholm, Moskau, London, Paris, Tokio, Los Angeles, Peru, Sydney, Hong Kong, Zempow … Übernahme Angebote von Starbucks würden auf CNN diskutiert …

Womöglich ist hier die Crux an der Sache. Evelyn steht für Qualität und hat höchste Ansprüche. Das Besondere und die Schönheit ihrer Produkte liegen in Einzigartigkeit, der Liebe und der Zeit, welche sie ihren Gästen und Speisen zukommen lässt. Die Leute machen das Land. »einLADEN« wird sich zu einem Geheimtip im Sinne des Reiseführers Marco Polo entwickeln. Wagemutigsten Berliner werden kommen, in Flecken Zechlin links abbiegen um diesen kleinen Schatz am Rande Brandenburgs zu finden. »Schön ist es hier«, werden die Leute sagen, und »gut das wir Sie so einfach gefunden haben«, werden sie mit einem Lächeln hinzufügen. »Ja«, wird Evelyn sagen, und vielleicht wird Evas Schild-Design und der knallig-gelbe Bus eine nette Anekdote sein.
Sicherlich kann man in Zempow allein nicht vom Gestalten leben. Aber Zempow steht womöglich für viele Gemeinden in Deutschland, in denen es Menschen gibt, die etwas bewegen wollen. Diese Menschen werden auf Menschen stossen, die sie versuchen werden aufzuhalten, oder sie werden eben genau auf die richtigen stossen, die sie bei ihrer Tätigkeit unterstützen werden.

Resumé & Radikalprognosen
In meinem Resumé fällt dem rasenden, mobilen Designdienstleister eine neue Rolle zu. In Zeiten, wo die Kirchen schrumpfende Mitgliederzahlen verzeichnen und viele Bedürfnisse nach Sicherheit durch den Sozialstaat befriedigt werden, kann der Designer eine Vermittlerrolle vor allem im ruralen Raum auf vielen Kanälen übernehmen. Aus meiner Beobachtung heraus hat Hupe viel Seelsorge durch Zuhören und Verstehen betrieben. Hat Menschen zusammengebracht, hat Wünsche und Träume in verschiedenste Medien und für andere Menschen übersetzt. Dadurch wurden den Kunden von Hupe Perspektiven eröffnet, die weit über die dem Gestalter zugeschriebenen Kernkompetenzen hinausreichen.

Zempo-Tempo-Tattoo!

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U L R I K E   O L M S
(vom 24.–26. September und 15.–16. Oktober)

H U P E – Zaungast an zwei Wochenenden im Herbst 2011

H Ä U F U N G – von Gesprächen um’s Hupe Geschäft und gemalten
Wunsch-Haut-Tatoos
U N T E R W E G S – auf neuen Wegen, in unbekannten Orten und in
Designer-Gedanken
P F E R D – durch Wald & Flur
E R L E B E N – auf dem Land

Ich war – leider nur einige Tage – bei dieser Brandenburg Tour als sogenannter Special Guest dabei. Auch wenn »Hup-Eva« des Öfteren sagen mußte, es sei ja nicht immer so ereignisreich wie jetzt gerade, habe ich diese zwei ausgewählten, mal länger mal kürzer scheinenden Wochenenden sehr genossen und als sehr abenteuerlich aufgesogen.

Es kamen viele Menschen, die die Hupe schon kannten. Es kamen viele, die interessiert waren, an dem was Hupe wohl ist und macht? Es kamen viele, die immer auf ihre Weise (sowohl positiv, als auch nega –ossi/wessi-tiv), etwas zu sagen hatten! Und gerade in dieser oft kurzen Konfrontation lag die erfrischende Spannung des Herausfindens über Andere … ihre Gedanken, Meinungen …

Und dabei habe ich festgestellt, dass Hupe etwas anspricht, aufbricht und anhupt, was Menschen bewegt, zusammenbringt und diskutieren lässt. Das Hupe Design etwas ist, was eine weitere sogenannte Nische und Lücke füllt. Denn es ist – glaube ich, anders als der fahrende Landarzt oder Bäcker – ein kreativer ungewohnter Austausch, eine bisher ungeahnte gedankliche Vertiefung für die Menschen (erstmal) im Brandenburger Land (und vielleicht auch anderswo). Obwohl ich bei meinem Special Guest-Dasein, so viele Personen in Steinhöfel, Neuruppin, Zempow usw. gesehen habe, die ihr eigenes Kunst-Öko-Verkaufs-PeaceBruder-Ding machen, wollen doch fast alle den Austausch, das Gesehen werden und das Bekanntsein über ihre »Brandenbuger-Dorf Grenze« hinaus! Und in diesem Moment gab’s Hupe …

Und ich habe als persönlichen Wermuts-Selbsterkenntnis-tropfen festgestellt, daß die eigene Sache, das eigene Ding D U R C H Z I E H E N! das Wichtigste, die treibende Kraft für das eigene Leben ist.

Ich habe mir gewünscht, viel länger bei diesem Experiment dabei gewesen zu sein; Meinungen, Befindlichkeiten, Ideen zu erforschen, zu erfragen, herauszufinden und aufzuschreiben. Ich hatte das Gefühl einer großen Sache auf der Spur zu sein oder tatsächlich (so schnöde es klingen mag) am Anfang von etwas zu stehen, das Sinn macht für Menschen und was sich wirklich lohnt. Denn es scheint mir – auch wenn schon einmal Andere ähnliche Projekte und Ideen wie »H U P E   D E S I G N« gehabt und verwirklicht haben – eine absolut essentielle Erfahrung, Bedeutung und Arbeit zu sein, die sich in diesem On-the-Road-Design-Office und dem modernen so called Networking ausdrücken!

Ich rede nicht vom finanziellen Verdienst, der dabei auch (leider) eine Rolle spielen muß, sondern mehr vom geistigen Gewinn, dem Miteinander, dem Anstellen und Erleben.

Ich habe in der Tatoo-Stube bei den »Kochenden Gärten« von Steinhöfel Menschen’s Arme bemalt; ich war bei der fünf-Mann Diskussion im Neuruppiner Pfarramt für ein neues Logo dabei; bin einige Rumpelstunden im Hupebus übers sonnenbeschienen Brandenburger Land gerödelt; stand am wunderschönen Riesenfeuer in Zempow in klirrend kalter  Oktobersternennacht; bin (irgendwie) gequält zu Pferde durch einen Brandenburger Wald geritten (Dank der geduldigen »Zempower Reitlehrerin« Line und der gutmütigen Stute Angie); habe im, am, ganz neben dem Hupe Mobil und Nachts im Museum gepennt – und zu meinem Glück doch nicht im Zelt – habe gesehen, wie viel und gleichzeitig wenig, man zum Leben braucht (natürlich flüssigen & geistigen Sprit) und mich trotz ca. nur zwei Stunden Entfernung von Berlin gefühlt, wie auf einer entfernten Insel … Und ich habe zu einem kleinen Teil verstanden, daß Geschäftemachen einen Sinn hat.

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M A D E L E I N E  P O T G A N S K I  und  F I N E   H E I N I N G E R
– Die Matrosenhunde –
(Hupebegleitung vom 17.–21. Juli)

Die Matrosenhunde in Zempow

»Gute Vorbereitung geht manchmal nach hinten los.«


»Zeit ist hier nicht das Problem.«


»In ein mimikbefreites Gesicht kann man einfach reinglotzen:
weite Steppe unter dichten Augenbrauen.«

»Was macht eigentlich die Seele, wenn sie nicht baumeln kann?«

Gedanken zur Arbeit
(Madeleine Potganski)

Morgens um halb neun ist Rushour in den öffentlichen Verkehrsmitteln, so nennt man den Umstand, dass zur gleichen Zeit viele Menschen nach heimlicher Übereinkunft ihr Zuhause verlassen, um an ihren Arbeitsplatz zu fahren. Den Ort, an dem sie für viele Stunden sitzen und aus einer unlustigen ironischen Tasse Beutelfrüchtetee trinken, um anschließend wieder zur abendlichen Rushour nach Hause zu fahren, ein Zeitüberbrückungsbuch unter den Arm geklemmt.

Manche verlassen den Ort, an dem Tisch und Bett stehen auch antizyklisch, arbeiten nachts oder im Schichtdienst oder werden zu Notfällen gerufen. Das nennt man dann Stand-by. Das kleine Lämpchen leuchtet, das Gerät verbraucht zuviel Strom; in Wochenmagazinen gibt es Artikel über Manager-Burnout und Herzkranzgefäßverengung bei übermäßig sitzender Tätigkeit. Abends kann man sich zum Feierabendbier versammeln. Feierabend ist keine Party, Feierabend ist nach Büroschluss. Man kann schnell noch was einkaufen, seine Kinder wiedersehen, mal zum Ausgleich ein wenig Sport treiben, ein Date haben oder Serien gucken. Oder man bleibt einfach dort, wo gearbeitet wird. Sammelt Fleißpunkte, beeindruckt den Chef, fühlt sich besser und nützlicher und wie jemand, der zu tun hat, der die Welt jeden Tag ein bisschen rettet und seine Seele dazu. Andere bleiben im Büro, wobei das meist Agentur heißt, spielen ein bisschen Tischtennis, trinken Cola aus regionalem Vertrieb und drehen ein Video, das dann ins Internet gestellt wird, wo alle sehen können, dass es super ist auf Arbeit, es macht Spaß und Kreativsein kennt keinen Stundenplan. Die Kollegen möchte man am liebsten heiraten, man schenkt ihnen seltene Süßigkeiten und betont, dass die Grenzen fließend sind, dass man seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat, Feierabend gibts da nicht, ist für Anfänger und Gartenzwergliebhaber

Manche, die sieht man überhaupt nicht bei der Arbeit, das heißt dann „unter Tage“ oder Hartz 4. Nicht bei der Arbeit gesehen zu werden kann sehr gefährlich sein. Daher empfiehlt es sich, zumindest immer so zu tun, als ob man arbeiten würde. In Kurzgeschichten, die im Deutschunterricht gelesen werden gibt es dann diesen Familienvater, der täglich morgens das Haus verlässt, nichts in seiner Aktentasche als einen alten Zeitungsartikel, einen Apfel und ein Butterbrot. Der geht dann ins Museum, um das Gefühl von Information und Zeitbegrenztheit zu erleben, das er hatte, wenn er früher Aktennotzien vermerkte und um 18h den Rechner ausmachte. Jetzt wartet er, bis eine freundliche Ansage die Museumsbesucher zum Gehen auffordert, nicht ohne ihnen zu versichern, dass es schön war mit ihnen und sie gerne wiederkommen dürfen. Das macht der Mann aus der Kurzgeschichte dann auch, am nächsten Tag. Er schämt sich, er fühlt sich entmannt und seiner Familie unwürdig, ein Versager. Um nicht ständig daran erinnert zu werden vertieft er sich in die Keilschrift der Etrusker und studiert Baupläne des Otto-Motors. Seine Kinder finden es super, dass er soviel weiß.

Wenn man noch sehr jung ist, dann kann man viel ausprobieren. Das soll man auch, damit man rechtzeitig herausfindet, was man denn so will, eigentlich. Denn um das Eigentliche geht es ja immer. „Mal so“ geht eine Weile, aber dann muss man sich schon festlegen. Das Leben ist kein Ponyhof und kein Wunschkonzert und wer nicht früh gelernt hat, sich selbst zu definieren, ist ein Lebenskünstler. Und Künstler, die sind einem ja doch ein bisschen suspekt. Wer nichts wird, wird Wirt, sagen die Leute. Digitale Bohème, rufen die anderen und beklatschen die neue Selbstständigkeit und die Freiheit der Kreativität. Rumsitzen und Denken ist keine Arbeit, munkelt manch protestantisch erzogener Bürger. Mach dich nützlich. Ist man jung, hat man noch Schonzeit, Welpenschutz. Aber nicht ewig, da muss ja mal was vorangehen. Wo ist Vorne? Alles kann, nichts muss. Wie geht arbeiten? Ist das Putzen der eigenen Wohung Freizeitmühsal?

Blumen wollen wir nicht, sagen die Philister dem fidelspielenden Taugenichts, keine Blumen, keine Vagabunden, mach mal was Richtiges und von Blumen wird keiner satt.

Man kann auch mal einen Fehler machen, es ist wichtig, dass du das findest, was zu dir passt. Aber bitteschön rechtzeitig, sobald die kindliche Naivität aus deinem Blick verschwindet, gerätst du in Generalverdacht, wenn du noch immer keinen Plan hast. Berufsjugendlich heißt das. Zur Jugend berufen? Oder von Beruf jugendlich?

Sei kein Schmarotzer. Trag was bei. Gib von dir! Was hat Geld mit meinem Tun gemein? Man kann seinen Körper spenden, nach seinem Ableben, oder auch schon vorher, Nieren kann man spenden oder Blut, Samen oder Eizellen, auch Haut und Haare. Man kann seinen Körper verkaufen, das heißt meistens Sexarbeit, im Gegensatz zur Sexfreizeit.

Was willst du mit deinem Leben machen? Willst du es verkaufen, verschenken, beenden? Willst du sinnvolle Dinge tun, Nützlichkeiten produzieren? Viel mit Werkzeugen hantieren, dabei täglich den evolutionären Fortschritt bewundern, die Winkelhaltung des Daumens an der menschlichen Hand? Du musst dich entscheiden, festlegen, töte die Möglichkeiten und widme dich. Sei ambitioniert. Habe Ziele und Träume. Sei kein Langschläfer und Däumchendreher. Nicht genügsam. Nicht zu ehrgeizig, es wirkt verbissen, es soll ja nicht verbissen wirken sondern kraftvoll. Powerful. Du musst es nur wirklich wollen.

Im klugen Kino werden ausgesuchte Retrospektiven gezeigt, man spricht von »Werkschau«. Man kann also jemandes Werk besehen, drehen und wenden und begutachten.

Ein international bekannter Maler verkauft eine Arbeit und erhält einen sechsstelligen Betrag dafür. Er verkauft ein Produkt, eine Ware, sie heißt nicht Werk, sondern Arbeit. Vielleicht hat er ein Stückchen Arbeitskraft und Zeit und Blut darin versteckt, die Seele des Prozesses mitverkauft? Die Arbeit, die soll auf keinen Fall nützlich sein. Sie ist frei. Sie ist Kunst. Kunstarbeit. Nicht zu verwechseln mit Kunsthandwerk. Das sind nicht ernst gemeinte Dekorationsgegenstände auf Jahrmärkten oder blaulasierte Tonschalen, von Gattinnen in der Toskana gefertigt. Das hat keine Bedeutung. Es ist ein Hobby. Wie das Heimwerken und die Spielzeugeisenbahn. Das Hobby ist im Keller, das braucht keine Fans.

Heute trage ich die kurze Hose, sagt der Arbeitslose. Heute hab ich Urlaub.

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M A R I A  K L E I N S C H M I D T
(vom 3.–8. und 11.–14. August)

Heimland – Blick aus der Bushintertür

Heimland – Blick aus der Bushintertür, einer davon nun mit neuem Besitzer

Das Hinterland der Zempow-Ranch

die Hupe

o.T.


Gesträuch (Ackerwinde und Distel)


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T H U R I D  A N D R E S S E N und J U L I A   H U T Z L E R
(vom 23.–28. August)

Jetzt neu: die  S E K T H U P E.


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M A R E I L E  K E S S L E R
(ständige Begleitung)

»Eine echte Traumzeit« – Die Schatzsuche

Der Tag beginnt äußerst unvielversprechend mit Regen und Abreiseankündigungen (Sonja) und tatsächlichem Schwund (Kai und Yvonne), nach der Partynacht. Sonja lässt sich noch überreden und bleibt. Gut gefrühstückt packen wir Zelte ein und machen das Tattoo-Mobil startklar.
Da: Wie aus dem Nichts hat Dirk einen ZemPOWER-Auftritt. Mit Raumfahrermontur steht er vor uns: Ein Traum. So viel tolle  Extro- und Extravaganz lässt uns ins Schwärmen geraten.

Schatzsuchen, ein Kindheitstraum und immer noch anziehend, für mich mein erster Berufswunsch überhaupt: Schatzsucher.
Manchem Zempower lockt die Zone mit Monitions- und Waffenfunden und Dette, der Mann für alle Fälle, freut sich schon über eine ansehnliche Münzsammlung. Den Nibelungenhort muss ja auch noch jemand finden, Siegfried hatten wir ja gestern schon unterm Stift.
Jetzt trumpft Dirki auf: er teilt sich mit zwei Freunden einen Metalldetektor. Wow, der Plan ist geboren wir gehen heute auf Schatzsuche. Nur noch den Detektor holen, nen Kaffe noch vorher, klar, dann geht’s los. Mit Wilhelm gibt’s noch ein appetitmachendes Gespräch, er erzählt das in Kriegszeiten oft die Familenschätze vor Feindeseinfall vergraben wurden, somit da ja leider nicht die Seltenheit: es locken schätze überall. Sie gehören zwar dem Staat, wenn man sie ihm denn gibt.

Das Schatzteam: Eva, Dirki, Christof, Sonja und ich zieht los. Dirk voran mit dem Detektor saugermäßig über die Oberfläche fahrend. »Irgendwann müssen wir doch auch mal reich werden«, seine grinsende Antwort auf meine frage zum Grund der Anschaffung des guten Stücks. So ein Detektor ist ja auch eine Anschaffung fürs Leben, für die Zukunft, lässt ja hoffen, eine richtige Investition. 1800 Mark war’s der Investorengruppe damals wert.
Heut findet Dirk den großen Schatz noch nicht. Die Pflicht ruft übers Handy – er muss nach Hause. Die Familie verlangt.

Sonja übernimmt als nächste das Gerät, rüstig und patent fährt sie mit dem in ihren Händen wie ein suspektes Tool zur Landschaftspflege mit Mikrostrahlung oder Bodenstrommessung aussehenden Detektor über den Rasen. Ganz die fleißige Landfrau.

Gefolgt von den beiden Hupe-Orgs zieht die Karawane voran, den Schätzen entgegen. Eine erste Aufregung: das Gerät piepst dümmlich. Alle stürmen heran: unser Spaten ist der erste anvisierte Schatz. Die Tätigkeit ist höchst albern aber unvermindert faszinierend. Ich übernehme das detektieren. Es zieht mich in den Hang neben unserem Weg, dort sieht das hügelige, steinige Gelände stark schatzhaltig aus. Moos, Steine, Äste, da, es piept. Nein, nicht der Spaten, auch beim zweiten mal immer noch ein Geräusch. An der Oberfläche nichts zu sehen. Theoretisch 80cm tief kann unser Schatz liegen. Die Stelle vibriert vor unserer Aufregung, gebannt schaben wir mit dem Spaten die Erdschichten ab und kontrollieren mit der Detektorplatte, ob’s in den Erdhäufchen oder noch im Boden piept.

Ein kleines Ding formt sich aus den Erdkrümeln hinaus: eine Patrone. Wir freuen uns. Es ist schließlich unser erster Schatz. Das es eigentlich so eine Art anti-Schatz ist, ein wahrscheinliches Kriegsrelikt – nun ja. Vielleicht kann ja jemand bestimmen, was genau für eine Patrone es ist.

Das Suchen macht immer noch viel Spaß, wir sind sogar fast euphorisch. Ich finde, der Hang hat immer noch Potential und so isst denn auch. Neben einem großen Stein, Christophs Sitzplatz, piepst es erneut. Das Gefühl ist immer noch toll, wir graben mit Eifer eine zweite Patrone aus. Etwas zerfetzt vorne. Zwei Schätze nun schon! Großartig! Weiter geht’s.

Eva übernimmt, ganz seriöse Forscherin und nun gibt das Gerät in schneller Frequenz den nächsten Laut. Eine größere Fläche enthält eventuelle Kostbarkeiten. Es müssen einige Wurzeln dran glauben, aua, mir keimt leiser Zweifel an dieser Art der Wertschöpfung. Nach einigem herumgehackt haben wir eine schöne Fläche beackert, ordentlich Erde aufgehäuft, dicke schwarze Steine liegen herum, was wir da für einen Schatz haben, ist allerdings noch unklar. Das piepen verteilt sich über mehrere Ecken. Ist es etwa eine tief vergrabene, große Truhe?

Beim Wedeln mit dem Gerät fällt auf, diese schwarzen Steine piepen auch. Na ja, nicht auch, wir müssen einsehen, sie sind wohl unser Fund. »Schlackesteine«, konstatiert Christof, irgendwie geschmolzene Metallrestbestandteile drin, nix für uns.

Wir ziehen weiter. Die Erwartungen haben sich der Realität nun stark angepasst, statt zum lockenden Wäldchen am Horizont biegen wir nach links ab zum Weg nach Hause, damit wir noch schwimmen gehen können.
Ein weiteres Piepen im Gebüsch, Klar graben wir, so isst ja nich. Recht schnell zeigt sich rötliches, dünnes Metall, was mag es sein? Man kann darunter fassen, dran ziehen, ist noch was spannenden an den Ecken dran vielleicht? Schnell hält Sonja ihn in den Händen: unseren dritten Schatz. Wir sind wirklich stolze Finder. Es ist ein Draht.

Circa 40 cm lang, super ums in einer Garage ewig aufzuheben.
Da fällt beim nächsten Piepen die Entscheidung nicht so leicht. Sonja will zum See, winkt schon ab, Christof sondiert nochmal, jeder hat da seine Technik. Schnell poliert er über den Boden. Es ist zu vielversprechend. Ein länglicher Schatz muss es sein. In der harten Wegspur auf dem Ranchgelände liegt unser letzter Fund. Das ist schon entschieden.

Das Graben fällt schwer, aber schön groß ist der Schatz wohl. Spannend ist’s immer. Kreuz und quer stoß ich den Spaten in die Erde. Es kracht ordentlich. Steinbrei ist zu fördern, und das bis 80cm? Oh je. Wir haben Glück, na wie Manns nimmt. jedenfalls taucht nach circa 10cm ein eckiges Etwas auf. Schwer und Massiv. Ein abgebrochener, rostiger, eckiger Stab. Vielleicht eine Brosche? (Für die Kühe?)

Eine Wahnsinnsausbeute, eineinhalb Stunden graben in Brandenburg: Zwei Patronen, schwarze Steine, ein dicker Draht und eine schön schwere Brosche. Reich sind wir alle immer noch nicht, aber der Tag war ein echter Glücksfall.

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